Smarte Sensoren für saubere Luft

Hannover auf dem Weg zu digitaler Mobilität

Zwei Freundinnen lachen auf einem Park-and-Ride-Parkplatz

Jan Ungruhe Best Practice

Die Region Hannover hat eine Park-and-Ride-Anlage mit smarten Sensoren vernetzt. Im Interview berichtet Smart-City-Experte Oliver Stumm über die Durchführung und die Vorteile der Digitalisierung.

Mission: saubere Luft. Die Region Hannover arbeitet wie viele andere Ballungsräume daran, die Luftqualität zu verbessern. Um Schadstoffe in der Luft weiter zu reduzieren, setzt Hannover beim Thema Verkehr auch auf digitale Lösungen. So wurde erst kürzlich der Park-and-Ride-Parkplatz in Völksen, etwa 25 Kilometer südlich von Hannover gelegen, unter anderem mit Sensoren ausgestattet. Die Technologie erfasst, wie viele Parkplätze belegt sind. Mit der vernetzten Infrastruktur macht die Region Hannover einen weiteren Schritt in Richtung Smart City.

Das Projekt realisierte die Region Hannover nach einer europaweiten Ausschreibung mit Deutsche Telekom IoT. „Autofahrer können zukünftig vorab sehen, ob sie auf dem Park-and-Ride-Parkplatz eine freie Lücke finden – und sparen sich bestenfalls die Fahrt mit dem Auto zu Veranstaltungen oder zur Arbeit in die Innenstadt“, sagt Oliver Stumm. Im Interview erklärt der Smart-City-Experte bei Deutsche Telekom IoT, warum sich die Investition lohnt, wie lange die Installation dauert und welche Rolle Park-and-Ride-Anlagen beim Thema Urban Mobility spielen.

Oliver Stumm zeigt auf eingebauten Parkplatz-Sensor in Völksen (Park and Ride)
© Bertram (ndz)

 

Herr Stumm, viele Autofahrer fahren Park-and-Ride-Parkplätze gar nicht mehr an, weil diese zu Stoßzeiten hoffnungslos überfüllt sind. Kann die Technologie hier wirklich helfen?
Die Technologie zaubert natürlich keine zusätzlichen Parkplätze herbei, aber sie schafft Transparenz. Der Pendler, der einen Parkplatz am Stadtrand wegen Überfüllung bisher gemieden hat, steuert ihn jetzt womöglich wieder an und spart sich die Fahrt mit dem Auto in die Innenstadt. Das gleiche gilt für Menschen, die zum Beispiel eine Veranstaltung in der Stadt besuchen wollen. In einer App oder auf LED-Displays können sie vorab sehen, ob noch Parkplätze frei sind – und sparen wertvolle Zeit.

Der Park-and-Ride-Parkplatz in Völksen bei Hannover hat 232 Stellplätze. Mit welcher Technologie lässt sich das Verkehrsmanagement dort verbessern?
In Völksen haben wir an der Ein- und Ausfahrt Induktionsschleifen verlegt. Zudem wurden elf Sonderstellplätze mit Sensoren ausgestattet. Dabei handelt es sich um sechs Frauenparkplätze, drei Behindertenparkplätze und zwei Parkplätze mit E-Ladesäulen.

Welcher Gedanke steckt hinter der Kombination dieser Technologien?
Mithilfe der Induktionsschleifen wird die Auslastung der allgemeinen Parkplätze gezählt. Sie ermitteln, wenn ein Auto auf den Parkplatz fährt oder ihn verlässt. Die Belegung der Sonderstellplätze wird per Sensoren erfasst und die Information lässt sich dann beispielsweise in der App der Stadt gezielt abfragen.

Wie lange dauert es, um einen solchen Parkplatz mit Sensoren auszustatten?
Das kommt auf die Technologie an, die wir einsetzen. In Völksen musste die Ein- und Ausfahrt gesperrt werden, um die Induktionsschleifen zu verlegen. Aufgrund der erforderlichen Genehmigungen mussten wir zwei Wochen für die Sperrung einplanen, letztlich konnten wir aber alles innerhalb einer Woche fertigstellen. Um einen einzelnen Stellplatz mit einem smarten Sensor auszustatten, benötigt man in der Regel lediglich eine Stunde.

Sie haben angedeutet, dass es verschiedene Technologien gibt, um die Verkehrssteuerung zu optimieren. Wieso wurden in Völksen Induktionsschleifen verbaut?
Bevor wir uns für eine Technik entscheiden, führen wir zunächst mehrere Begehungen der Anlage durch. Wir ermitteln zum Beispiel das Fahrverhalten und schauen uns die Oberflächen der Parkplätze an. In Völksen waren die Induktionsschleifen wirtschaftlich die beste Lösung. Auf anderen Parkplätzen, die zum Beispiel mehrere Ein- und Ausfahrten haben, kann eine andere Technologie unter Umständen die bessere Wahl sein. Zum Beispiel können Kameras die Belegung der Parkplätze erfassen. Oder auch Drohnen, die zu bestimmten Zeiten in die Luft geschickt werden. Das Ziel ist immer eine hohe Zuverlässigkeit.

Kann ich mich als Autofahrer darauf verlassen, dass ich noch einen freien Parkplatz finde, wenn mir die App das anzeigt?
Die Zuverlässigkeit der Technik ist sehr hoch. Wir sprechen hier von einer Genauigkeit, die mindestens bei 95 Prozent liegt.

Viele Städte haben bereits eigene Apps im Einsatz. Lassen sich die Daten in bestehende Apps integrieren?
Das hängt immer ein wenig davon ab, was in der App dargestellt werden soll. Aber in der App lässt sich zum Beispiel problemlos in Echtzeit anzeigen, dass gerade 85 Prozent der Parkplätze belegt sind. Städte können über ein Dashboard außerdem Statistiken einsehen und herausfinden, wie sich etwa die Auslastung über den Tag verteilt.

Um digitale Parklösungen einsetzen zu können, müssen Städte zunächst investieren. Wieso lohnt sich diese Investition?
Das ist richtig, allerdings werden Städte und Kommunen bei der Digitalisierung ihrer Verkehrssysteme zum Beispiel auch von der Bundesregierung gefördert. Die Cities profitieren von nachhaltiger urbaner Mobilität, die von Menschen immer stärker eingefordert wird. Die Straßen in den Städten sind einfach zu voll, mithilfe der Digitalisierung lässt es sich in den Cities vielleicht wieder besser atmen.

Wie wichtig sind Park-and-Ride-Anlagen in Bezug auf Urban Mobility?
Park and Ride könnte sich in Zukunft zu einem wichtigen Mobilitätspunkt entwickeln, wenn es zum Beispiel um das Thema autofreie Innenstadt geht. Auf den Anlagen könnten künftig nicht nur Fahrzeuge parken, sondern auch andere Verkehrsträger ihren Raum erhalten. In Hannover zeigt sich etwa schon die Entwicklung hin zu mehr Parkplätzen für E-Autos. Vielleicht können bald auch Fahrzeuge von Carsharing-Anbietern auf den Anlagen geparkt werden. Und die Menschen können hier auch auf andere Verkehrsmittel wie Fahrräder oder E-Scooter umsteigen. Der Luftqualität würde all das zugutekommen.

Fotos: Bertram (ndz)

Lesen Sie hier mehr über das neue Konzept der Telekom zur urbanen Mobilität, das die Verkehrsüberlastung mindert und lebenswertere Städte für alle schafft.

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