Smart Parking entlastet die Umwelt

Wie digitales Parkraummanagement Emissionen senkt

Straßen mit viel grün in einer Großstadt.

Daniel Martin Magazin

Fast eine Million Tonnen CO2-Ausstoß ließe sich mit umfassendem Smart Parking einsparen. Das zeigte eine Kleine Anfrage im Bundestag. Wie Kommunen und Bürger sonst noch von dem Ansatz profitieren.

Wer in der Innenstadt auf der Suche nach einem passenden Parkplatz die fünfte Runde um den Block dreht, verschwendet wertvolle Zeit und belastet die Umwelt. Diese wird durch überfüllte Straßen in Innenstadtbereichen ohnehin stark beansprucht. Laut Daten des Umweltbundesamts gingen 2018 in Deutschland insgesamt 164 Millionen Tonnen Treibhausgas auf das Konto von Pkws. Heißt im Umkehrschluss: Soll der Klimawandel gestoppt werden, muss sich in Sachen Straßenverkehr etwas tun. Eine Maßnahme, um die Umwelt zu entlasten: Smart Parking. Das ergab eine Kleine Anfrage im Bundestag (PDF). Bis zu 900.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid ließen sich mit einer konsequenten Umsetzung durch Kommunen einsparen. Zum Vergleich: Das ist laut Umweltbundesamt schon knapp die Hälfte des CO2-Verbrauchs, der bei allen innerdeutschen Flügen anfällt (PDF).

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Für vollen Effekt müssen Kommunen konsequent handeln

Damit die entsprechend prognostizierte Menge eingespart werden kann, muss einiges passieren – die genannten 900.000 Tonnen sind der Idealwert. Die Bundesregierung bezieht sich in ihrer Anfrage auf die Arbeitsgruppe „Klimaschutz im Verkehr“. Diese schätzt, dass intelligentes Parken bis 2030 den jährlichen CO2-Ausstoß um eine Menge zwischen 0,4 und 0,9 Millionen Tonnen reduzieren kann. In einer Studie von 2015 ging der Verband der Automobilindustrie von einer Minderung um eine halbe Million Tonnen jährlich aus. Die Anforderung beider Studien ist klar: Das A und O ist, dass möglichst viele Kommunen die Ziele konsequent verfolgen und öffentliche Parkplätze mit smarten Parksensoren aufrüsten. Damit wollen sie den Parksuchverkehr minimieren, die Parkraumbewirtschaftung verbessern und das Parken damit nachhaltiger machen.

Konkrete Lösung: Viele Vorteile mit Smart-Parking-Apps

Das intelligente Parkraummanagement bringt auch abseits der ökologischen Aspekte zahlreiche Vorteile mit sich. Mit Smart-Parking-Apps erhalten Gemeinden eine optimale Parkraumbewirtschaftung und Verkehrssteuerung, verbessern ihren Parkservice und reduzieren dabei generell das Verkehrsaufkommen und personelle Kosten. So werden Städte attraktiver, erhöhen ihre Einnahmen und leisten einen Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Zudem müssen die Parkplatzbetreiber keine Automaten mehr entleeren und dynamische Preismodelle bringen neue Einnahmen. Auch die Parkraumverwaltung wird präziser und transparenter, denn die Verantwortlichen erhalten alle wichtigen Infos über Auslastung und die Bezahlquote. Big Data geben dank Parkprognosen zudem Aufschluss über zukünftige Auslastungen, auf Wunsch lassen sich die Daten auch in bestehende städtische Systeme einspeisen.

Weitere Probleme, die die Parkplatzsuche mit sich bringt, liegen auf der Hand: Sie kostet jedes Jahr aufs Neue viel Zeit und Geld. Eine Studie des Verkehrsdaten-Anbieters Inrix zeigt, dass deutsche Autofahrer 2017 durchschnittlich ganze 41 Stunden auf der Suche nach dem passenden Stellplatz verbrachten. Die Kosten für die damit verschwendete Zeit, die zusätzliche Umweltbelastung und den dafür nötigen Treibstoff belaufen sich auf mehr als 40 Milliarden Euro. Doch trotz der Vorteile für die Städte und Autofahrer selbst verläuft die Umsetzung von wirklich konsequentem Smart Parking in Kommunen bisher noch zögerlich.

Intelligente Sensoren: Basis für smarten Parkraum

Basis des Smart-Parking-Ansatzes ist das Internet der Dinge (auch Internet of Things, kurz: IoT). Smarte Sensoren mit Funkmodul werden direkt in die Parkplatzoberfläche eingelassen. Parkt ein Fahrzeug darüber, funkt das Gerät seinen neuen Status in die städtische Schaltzentrale. Urbane Mobilität bietet mit „Sensor as a Service“ die entsprechende Sensorik, Funkübertragung sowie das City Dashboard aus einer Hand. Letzteres stellt Belegungs- und Positionsdaten übersichtlich dar. Die entsprechenden Datenquellen lassen sich mittels eigener API direkt zwischen Cloud-Lösung und städtischen Systemen tauschen. Die IoT-Sensoren setzen dabei auf das Narrowband-IoT-Funknetz der deutschen Telekom. So sind sie sehr stromsparend, wartungsfrei, kommen ohne externe Stromversorgung aus und ermöglichen sehr genaue Prognosen über künftige Auslastungen. Übrigens können auch Betreiber von E-Ladesäulen die Lösung in ihr Angebot integrieren.

Smart Park(haus)ing

Parkhausbetreiber freuen sich über neue Wertschöpfung dank smarter Parking-Lösungen. Parkflächen lassen sich mit den Sensordaten deutlich besser auslasten und natürlich lassen sich langfristig auch Zufahrt und Zahlung bequem kontaktlos realisieren. Das alles geschieht DSGVO-konform. Zudem steigern variable Tarife Fairness bei den Preisen wie auch die Kundenbindung – und senken die Hemmschwelle, mit dem Auto im Parkhaus zu parken. Der Nebeneffekt: mehr Autos in Parkhäusern, weniger Suchverkehr auf den Straßen.

 

Deutschland fördert Innovation

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gibt zusätzliche Anreize, den kommunalen Parkraum digital umzurüsten: Mit der Initiative mFUND werden datenbasierte Mobilitäts-Lösungen gefördert. Im Programm „Erneuerbar Mobil“ unterstützt der Bund einzelne Projekte rund um Smart City sowie smartes Parken. Und auch im Sofortprogramm „Saubere Luft 2017 bis 2020“ bewilligte das BMVI im Rahmen der Förderrichtlinie „Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme“ schon einigen Städten entsprechende Gelder. Berlin, Hamburg, Köln, Bonn, Erfurt: Schon so manche Stadt hat die ersten wichtigen Schritte zum smarten Parkraummanagement gemacht. Ein wichtiger Schritt in Richtung Smart City, dem aber noch viele weitere folgen können.

Ziehen mehr und mehr Kommunen konsequent mit, wird das dazu führen, dass in den angehenden Smart Cities die Parkplatz-Suche nicht mehr fünf Runden um den Block bedeutet, sondern schnelle und bequeme Navigation zum nächsten freien Parkplatz. Eine Win-win-win-Situation – für jeden einzelnen Menschen, die Kommunen, Parkhausbetreiber und ganz besonders das Klima.

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